22. Dezember 2021

Kunst der Bewohner wird im Roman-Nitsch-Haus gezeigt

Frau vor Gemälde
Sylvia Steidel. Foto: zg

Waldhof

Labyrinthe, die durch ihre detaillierte Ausführung beeindrucken, und Aquarelle, die von Naturimpressionen bis zu Stillleben reichen – fünf Monate nach der Eröffnung des Roman-Nitsch-Hauses in Mannheim-Waldhof hat dort eine erste Vernissage mit Bildern einer Bewohnerin und eines Bewohners stattgefunden.

Coronabedingt waren zur Ausstellungseröffnung hauptsächlich interne und nur wenige externe Gäste eingeladen, unter letzteren der Namensgeber des Hauses, der ehemalige Caritas-Vorstand Dr. Roman Nitsch.

„Wir sind hier inzwischen heimisch geworden, und die Ausstellung trägt dazu bei, dass wir das Haus zu unserem machen“, sagte Leiterin Gisela Müller. In dem Caritas-Neubau am Taunusplatz leben Menschen mit psychischer Erkrankung. Die Ausstellung wird von der Glücksspirale gefördert.

Bewohner und Künstler Martin Stötzer, der vorher mehrere Jahre im Elisabeth-Lutz-Haus gewohnt hat, erzählte in seiner Einführung, dass er schon als kleines Kind angefangen habe, Labyrinthe zu zeichnen. Bis heute kreiert er immer neue Variationen des Motivs.

Die Labyrinthe sind durchaus dazu gedacht, dass der Betrachter den richtigen Weg finden muss: Es gibt Start und Ziel und dazwischen jede Menge Hindernisse. „Ich habe mich von Computerspielen inspirieren lassen“, sagte der 29-Jährige.

Er hat an der Mannheimer Musikhochschule Komposition studiert und spielte den Anwesenden auf dem Klavier ein selbst komponiertes Werk vor.

Sylvia Steidel, die zuvor im Käthe-Luther-Heim gelebt hat, hat ebenfalls schon in der Kindheit die Leidenschaft fürs Malen entdeckt. Sie studierte Drucktechniken an der Fachhochschule für Gestaltung, musste dies aber aufgrund ihrer Erkrankung aufgeben.

Ihre Aquarelle, Bleistift- und Tuschezeichnungen sind von verschiedenen Künstlern inspiriert. Am häufigsten finden sich Naturmotive.

Viele der gezeigten Bilder sind in der Arbeitstherapie entstanden – insbesondere in der Kreativwerkstatt haben die Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit, sich gestalterisch und künstlerisch zu betätigen.

Weitere arbeitstherapeutische Bereiche sind Handwerk, Hauswirtschaft und Gartenarbeit. Der Handwerksbereich ist im Rahmen einer neuen Kooperation im Caritas-Inklusionsbetrieb Fairkauf angesiedelt.

„Dadurch kommen unsere Bewohnerinnen und Bewohner mit realen Arbeitsbedingungen in Kontakt und können sich dennoch in einem geschützten Bereich aufhalten. Die Kooperation ist ein voller Erfolg“, so Gisela Müller.

Die Ausstattung des Handwerkbereichs finanzierte die Destag-Stiftung ebenso wie eine Kücheninsel für das hauswirtschaftliche Training und drei Computerarbeitsplätze für kreatives Gestalten und kognitives Training.