27. Mai 2021

Arbeiter und ihre Siedlungen

altes Wohnhaus
Die Zellstoffsiedlung. Foto: Paesler

Sandhofen

Die Jutesiedlung liegt im südlichen Bereich des heutigen Sandhofen. Straßennamen wie Fadenweg, Faserweg, Spindelweg, Juteweg deuten auf den Ursprung hin. Die Straßenbezeichnungen gibt es aber erst seit der Eingemeindung Sandhofens, also 1913; zuvor existierte lediglich eine Nummerierung.

Die Häuser wurden ab 1898 errichtet. Noch heute ist durch die Ähnlichkeit der Bauweise und die dazwischenliegenden engen Gässchen erkennbar, dass das Areal als zusammenhängende Siedlung erbaut wurde.

Man erreicht die Jutesiedlung am besten von der Leinenstraße aus, wo das damalige Mädchenwohnheim noch heute auffällig aus der übrigen Bebauung hervorsticht.

Die Süddeutsche Juteindustrie hatte sich 1897 an der Sandhofer Straße niedergelassen und beschäftigte rund 1.000 Mitarbeiter. In der Hausnummer 200 steht heute noch ein gelbes Backsteinhaus, das an die Bauweise der damaligen Zeit erinnert.

In der Papyrussiedlung hatten wir Vergnügen am Austausch mit einer freundlichen Anwohnerin, die unseren forschenden Blick auf die Gebäude bemerkte und ihre Hilfe anbot. Sie konnte aus dem Stand eine Reihe von anderen alten Werkssiedlungen Mannheims aufzählen, war aber erstaunt, dass ihre Wohnstätte noch viel älter ist als angenommen.

Das Ensemble von Gebäuden war 1908 von der Papyrus AG errichtet worden, die Besitzer waren Söhne der Eigner der Zellstofffabrik. Es bestand ursprünglich aus 20 Gebäuden, die in etwa schon dem entsprachen, was wir heute als Wohnblöcke (mit jeweils mehreren Wohneinheiten) bezeichnen.

Insgesamt 310 Menschen lebten dort in Zwei- und Dreizimmerwohnungen. Die Siedlung liegt am Ende der Neurottstraße, umgeben vom Gelände des heutigen Essity-Konzerns.

Fährt man von hier zurück auf die Sandhofer Straße und biegt links ab Richtung Luzenberg, sieht man links auf dem Gelände der Essity die Ruinen der ehemaligen Papyrus AG sehen. Weiter hinten ragt der ehemalige Zwillingswasserturm in Backsteinoptik auf und erinnert an alte Zeiten.

Eine besondere Freude war der Besuch der Zellstoffsiedlung (Zellstoffstraße). Die noch heute sehr ansprechend wirkenden Häuser sind leider nur zum Teil bewohnt, unter anderem befindet sich hier eine Familienimkerei.

Einige der acht verbliebenen Häuser sind einsturzgefährdet; ursprünglich bestand die Siedlung aus vielen weiteren Gebäuden, die sowohl Familien Wohnplatz boten als auch Schlafsäle für unverheiratete Arbeiter.

Lesen Sie mehr in der neuesten Ausgabe der Nord-Nachrichten.

Nähere Infos unter www.rhein-neckar-industriekultur.de -> Arbeitersiedlungen in Mannheims Norden