31. Mai 2021

Edles Silber aus Frankreich im Mannheimer Schloss

Raum im Barockschloss
An dieser Tafel speisten die badischen Großherzöge von feinstem Silber. Foto: SSG/Dirk Altenkirch

Mannheim

Der Pariser Gold- und Silberschmied Jean-Baptiste-Claude Odiot arbeitete für sämtliche Monarchen Europas. Als er am 23. Mai 1850 im Alter von 86 Jahren starb, gehörte er zu den reichsten Männern Frankreichs. Einige seiner Meisterwerke sind auch 171 Jahre nach seinem Tod im Barockschloss Mannheim zu bewundern.

Jean-Baptiste-Claude Odiot, geboren am 8. Juni 1763 in Paris, stammte aus einer Dynastie von Gold- und Silberschmieden, die seit 1690 ihre Kunstwerke anfertigten. Das Unternehmen „Maison Odiot“ war bereits frankreichweit bekannt, als er 1785 die Leitung übernahm.

Auch Napoleon zählte zu seinen Kunden. Für ihn gestaltete er das Krönungsschwert zur Kaiserkrönung. 1811 lieferte Odiot die Silberdekorationen für die prächtige Wiege des neugeborenen Thronfolgers, Napoleon Franz Joseph Karl Bonaparte.

Auch Ludwig I. ließ 1818 als Großherzog von Baden sein eigenes Hofsilber von Odiot herstellen: Jedes Teil wurde mit dem großen badischen Staatswappen mit Krone, flankiert von Löwe und Greif, verziert. 1823 fertigte Jean-Baptiste-Claude Odiot in Paris kunstvoll verzierte Terrinen, verschiedene Platten mit und ohne Abdeckhauben, Saucièren und Salzschalen mit Putti für den badischen Hof.

Das prachtvolle Service schuf den Rahmen für eine repräsentative Tafelkultur und wurde zwischen 1828 und 1835 unter den Großherzögen Ludwig und seinem Nachfolger Leopold um einige Stücke erweitert. In ihren Karlsruher Hofsilberwerkstätten ließen sie Kerzenleuchter, Vasen und Bestecke als wesentliche Ergänzungen der 130-teiligen Garnitur anfertigen.

Lange Zeit befanden sich die schönsten Stücke des badischen Hofsilbers in privaten Händen. 2004 konnten sie zurückgekauft werden und zieren seitdem die Prunkräume in der Beletage des Mannheimer Residenzschlosses.

Sie werden im ehemaligen Ersten Vorzimmer des Kaiserlichen Quartiers auf einer gedeckten Tafel präsentiert, wo zu badischer Zeit die Großherzöge speisten. Der Feingehalt des Hofsilbers ist allerdings so hoch, dass die Oberflächen recht häufig poliert werden müssen, um wieder zu glänzen.