2. Juni 2021

Versorgung von Jungvögeln

Mannheim

Aktuell sind wieder viele Jungvögel unterwegs. Einige sind bereits flügge und sitzen nicht mehr im Nest. Der NABU Mannheim und NABU Rhein-Neckar-Odenwald bitten Spaziergängerinnen und Spaziergänger, vermeintlich hilflose Jungvögel nicht mitzunehmen.

„Für die kleinen Vögel ist es in der Regel am besten, wenn man sie an Ort und Stelle in der freien Natur lässt“, sagt Christiane Kranz vom NABU Rhein-Neckar-Odenwald.

„Denn meist hat man es nicht mit verlassenen, verletzten oder geschwächten Tieren zu tun, sondern mit gesunden Vogelkindern, die auch außerhalb des Nests von den Altvögeln versorgt werden.“

Nimmt man sie mit, trennt man sie von ihren Eltern. „Die Aufzucht von Menschenhand ist nur selten langfristig erfolgreich. Schließlich gilt es den Vogelnachwuchs nicht nur zu füttern, sondern auch zu prägen und zu ‚erziehen‘ – und das kann kein Mensch so gut wie die Vogeleltern.“

In akuten Gefahrensituationen kann man die Jungvögel einige Meter weit umsetzen, etwas von der Straße in den Grünstreifen daneben. Dafür sollte man aber Handschuhe oder ein Tuch verwenden.

Am besten zunächst aus einiger Entfernung beobachten ohne direkt einzugreifen. Oft kommen die Vogeleltern in der Dämmerung zurück und suchen ihre Jungen.

„Viele Vogelarten verlassen ihr Nest bereits bevor sie fliegen können“, erklärt Kranz. Dazu zählen neben typischen Nestflüchtern wie Enten oder Kiebitzen auch einige Singvogelarten, Greifvögel und Eulen.

Im Siedlungsbereich findet man häufig bräunlich gefleckte Jungamseln, die etwa eine Woche vor dem Flüggewerden der Enge des Nestes entfliehen. Sie geben sogenannte „Standortlaute“ von sich, damit die Elternvögel wissen, wo ein hungriger Schnabel auf Fütterung wartet.

„Dieses Piepsen interpretieren wir Menschen oft fälschlicherweise als Hilferuf an uns“, erläutert die NABU-Vogelkennerin.

Aber Achtung: diese Aussagen gelten nicht für Mauersegler. Ein Mauersegler, der am Boden gefunden wird, ist in einer hilflosen Situation und muss in erfahrene Hände.

„Es stimmt schon, dass ein Teil der Jungen außerhalb des Nestes natürlichen Feinden zum Opfer fällt“, meint Kranz.

Diese Verluste sind jedoch evolutionär ‚eingeplant‘: Die Tiere sorgen für viel Nachwuchs, von dem genügend überlebt, um den Bestand zu erhalten. „Problematisch wird es dann, wenn zusätzlich zu den natürlichen Verlusten von uns Menschen verursachte Bestandsrückgänge hinzukommen.“

Umso wichtiger sei es, die Lebensräume zu schützen. „Dazu können wir alle beitragen. Zum Beispiel indem wir Gärten naturnah gestalten, heimische Sträucher pflanzen und beim Einkaufen die regionale ökologische – und auch vogelfreundliche –Landwirtschaft unterstützen.“