16. Juli 2021

Sumpfbiber am Pfingstbergweiher von Unbekannten gequält

Nutria
Nutria werden oft mit Bibern verwechselt, unterscheiden sich aber unter anderem durch die weißen Barthaare und einen runden statt abgeplatteten Schwanz. Foto: pixabay

Rheinau

Auch mit dem Abstand von ein paar Tagen gehen Josef-Friedrich Szelig die Bilder nicht aus dem Kopf. Am Ufer des Pfingstbergweihers findet er am Samstag, 10. Juli nachmittags eine schwer verletzte Nutria. Ein Jammern und Stöhnen hat ihn aufmerksam werden lassen sowie mehrere Menschen, die um die betreffende Stelle herumstehen. Er erkennt sofort, wie schwer das Tier verletzt ist, das da vor ihm im Gras liegt und sich vor Schmerzen windet. „Ich habe starke Hämatome im Gesicht festgestellt und einen zertrümmerten Unterkiefer. Im Oberkiefer waren Zähne ausgeschlagen. Das Rückgrat hat man kurz vor dem Schwanz gebrochen, seine Hüfte abgeschlagen. Ich war fertig mit den Nerven bei dem Anblick“, sagt er. Auch weil die Nutria, auch Sumpfbiber oder Biberratte genannt, wohl schon länger dort gelegen und sehr gelitten haben muss.

Szelig verständigt sofort die Polizei. Die Beamten sind schnell vor Ort und man ist sich einig, dass man das Tier von seinen Schmerzen erlösen muss. „Aber ich konnte und durfte diesbezüglich nichts tun“, erklärt Szelig. Zwar ist der Gewässerökologe ständig am Weiher und bildet für die Fischereischule Metropolregion Rhein-Neckar Kinder und Jugendliche aus. „Aber es handelt sich dabei nicht um mein Jagdrevier, daher haben wir Heinrich Koch, einen der Mitpächter, angerufen“, sagt er. Dieser habe den Sumpfbiber schließlich kurz betäubt und dann erschossen, um dem Leiden ein Ende zu machen. Das Tier, dessen Alter Szelig auf etwa zwei Jahre schätzt, war seit rund sechs Monaten am Pfingstbergweiher zu Hause. Es galt als zutraulich und ließ sich von Menschenhand füttern.

Die Polizei ermittelt nun wegen eines schweren Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und bittet Zeugen, sich unter der Telefonnummer 0621 833 970 an den Polizeiposten in Neckarau zu wenden. Um die Suche nach dem oder den Tätern zu unterstützen, hat die Tierrechtsorganisation PETA eine Belohnung in Höhe von 1.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung führen.