6. Dezember 2021

Arme Kinder

Waldhof

Trotz und auch wegen Corona: zwei Wochen für Kinder, die in Armut leben, gehen am 10. Dezember zu Ende. Die Armut ist damit nicht besiegt. Sie ist gemildert, aber bleibt. „Wir müssen mit dem Thema endlich weiterkommen“, sagt Dekan Ralph Hartmann.

Ein tatkräftiger Kreis von Unterstützern machte die erneute Durchführung möglich, befeuert von Spenden aus der Bevölkerung. Wieder fand die Aktion, mit der die Evangelische Kirche Mannheim auf die schwierige Situation bedürftiger Kinder aufmerksam macht, an zwei Standorten statt: In der evangelischen Jugendkirche auf dem Waldhof und in der Rheinau-Grundschule im Süden Mannheims.

Unser Land ist eines der reichsten der Welt, dennoch leben Familien – und damit ihre Kinder – in einer Armut, die sie von wesentlichen Möglichkeiten ihrer Umgebung ausschließt. Das Angebot von Förderungen und Hilfen, das die Gesellschaft aufgebaut hat, ist oftmals unübersichtlich und kompliziert.

Hilfe wirklich zu erhalten, bedeutet, dass man bürokratische Hürden durchstehen und letztlich überwinden muss. Wer ohnehin am Rand der Gesellschaft steht, findet dazu oft nicht mehr die Kraft.

Die bisherige Förderung von Familien reiche nicht aus, Kitas und Schulen als die wichtigsten Bezugsorte für Kinder bräuchten bedarfsorientiert eine bessere Ausstattung: „Wo Kitas und Schulen besonders gefordert sind, müssen sie auch mit mehr Mitteln ausgestattet sein“, betont Dekan Hartmann.

„Die Kindergrundsicherung sehe ich als einen sehr wichtigen Baustein in der Förderung von Kindern“, sagte er beim Pressegespräch im Vorfeld der KinderVesperkirche.

Dass die bürokratischen Hürden für viele bedürftigen Familien hoch sind, weiß Filiz Kuyucu von der sozialpädagogischen Familienhilfe des Diakonischen Werks aus ihrer täglichen Arbeit.

Sie erlebt, wie sehr materielle Armut bei Kindern zu Scham führt: „Wenn Kinder beispielsweise nicht auf einen Geburtstag gehen können, weil das Geld für ein Geschenk fehlt.“ Kinderarmut sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, das die materielle Versorgung ebenso umfasse wie die emotionale.

Das Anliegen der KinderVesperkirche hält auch Matthias Binder, Vorstandmitglied von „Adler helfen Menschen e.V.“ für elementar. Gerade in Zeiten von Corona sei es wichtig, auf bestehende und sich verstärkende Probleme hinzuweisen.

Die Hilfsinitiative der ADLER unterstützt mit ihrem starken Netzwerk die Kindervesperkirche als Ort der Teilhabe seit deren Anfängen. „Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft, die sie in jungen Jahren nicht schon verlieren sollten.“

In der evangelischen Jugendkirche am Taunusplatz können wochentags maximal drei Schulklassen zu Gast sein. Zu festen Zeiten wechseln sie gruppenweise von einer Station zur nächsten, sodass die geforderten Abstände gewahrt bleiben.

„Unser Konzept ist eng mit dem Gesundheitsamt abgesprochen“, betont Leiter Lutz Wöhrle vom Organisationsteam. „Für die Mitarbeitenden gilt 2G plus ein Selbsttest, die Kinder werden regelmäßig in den Schulen getestet.

Hier vor Ort achten wir gut auf die Abstände.“ Bevor die Kinder ein warmes Essen gemeinsam am Tisch genießen, können sie an drei Stationen verweilen – jeweils im Klassenverbund, ohne dass sich die anwesenden Klassen vermischen.

Die Vorlesepaten der Stadtbibliothek laden im gemütlichen Leseraum zum Geschichtenhören ein. Das Team des Spielmobils der Stadt Mannheim hat rund um den Altarraum Spiele aufgebaut. Eine Gruppe Auszubildender der Elektrofirma VOLZ aus Mannheim betreut die Bastelstation, an der die Kinder etwas zum Mitnehmen gestalten können.

„Die tolle Zusammenarbeit ist ein großes Geschenk und eine spürbare Freude für die Kinder“, sagt Wöhrle. Vormittags sind von 10.00 bis 12.30 Uhr die Schulklassen zu Gast. Nach einer Desinfektionspause sind dann von 13.00 bis 14.00 Uhr Kinder und Jugendliche aus der Umgebung willkommen.