20. März 2019

Zeitzeugenprojekt „Bitteres Ende – schwieriger Anfang“

Oststadt

Es hat sie und ihre Biographie tiefgreifend geprägt: Was sie als Kinder und Jugendliche in den Jahren 1933 bis 1955 erlebten, haben 88 Zeitzeugen in einem Projekt der ChristusFriedenGemeinde aufgeschrieben oder erzählt.

Nun liegen die Berichte als Buch vor: Die Publikation „Bitteres Ende – schwieriger Anfang“ wird der Öffentlichkeit am Freitag, 22. März, um 19 Uhr feierlich in der Mannheimer Christuskirche in Anwesenheit zahlreicher Zeitzeugen vorgestellt. Im Anschluss gibt es einen Empfang.

Nach nur einem Jahr Vorbereitungszeit ist aus einem Projekt ein Buch geworden. Menschen aus dem Umfeld der ChristusFriedenGemeinde waren eingeladen worden, ihre Erlebnisse und Erfahrungen in den Jahren 1933 bis 1955 aufzuschreiben.

43 Männer und 45 Frauen, in Mannheim bekannte und unbekannte, etwa die Hälfte von ihnen Gemeindeglieder, 24 von ihnen gebürtig aus Mannheim, 72 in Mannheim wohnend, erinnern sich 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges daran, was ihnen und ihren Familien damals widerfahren ist. Die Publikation ist im Mannheimer Waldkirch Verlag erschienen.

Alle Erlebnisse und Berichte, schreibt Herausgeberin und Ältestenkreisvorsitzende Dr. Brigitte Hohlfeld in ihrem Vorwort, seien in normalen, also in friedlichen Zeiten, „völlig unvorstellbar“. Die Publikation wolle den Betroffenen eine Stimme geben und auch die häufig beschriebene Sprachlosigkeit zwischen den Generationen überbrücken.

„Die Zeitzeugenberichte können über die eigene Standortbestimmung hinaus den Nachgeborenen ein Gefühl dafür geben, warum ihre Eltern und Großeltern so geworden sind, wie sie sind“, ist sich Brigitte Hohlfeld sicher.

Allen Befragten war bewusst, dass die Ursache für ihre Erlebnisse und ihr Leid „die NS-Herrschaft in Deutschland, die oft bedingungslose Gefolgschaft weiter Teile der Bevölkerung, besonders auch der Eliten, der Holocaust und der verbrecherische deutsche Vernichtungskrieg im Osten gewesen war“.

Die Publikation ist auch ein Wissensbuch. Denn in den Text eingeschoben und im Schriftbild deutlich kenntlich gemacht sind Erklärungen einzelner Begriffe und historischer Zusammenhänge. „Uns ist wichtig, dass auch mit der Geschichte nicht so Vertraute das Gelesene ohne große Mühe einordnen können“, erläutert Brigitte Hohlfeld.

Bei der feierlichen Präsentation am 22. März sprechen Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und Dekan Ralph Hartmann ein Grußwort. Nach einer Einführung in die Thematik durch die Herausgeberin, Historikerin und ehemalige Leiterin der Tulla-Realschule Dr. Brigitte Hohlfeld  kommen die Zeitzeugen zu Wort: Dabei lesen Schauspielerinnen und Schauspieler Auszüge aus einzelnen Berichten vor.

Im Anschluss findet ein Empfang in den Konfirmandensälen statt. Die Publikation ist am Büchertisch bei Verlegerin Barbara Waldkirch erhältlich, ab dem 23. März auch im Buchhandel.