7. Dezember 2018

Wanderausstellung des Landesarchivs im MARCHIVUM

zwei Jungs im Kinderheim
Strenger Zeitplan für die Kinder im Kinderheim Kleinglattbach, Foto: Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Fotosammlung, U 127

Neckarstadt

Heimkinder - verwahrlost und gefährdet? Dieser Zusammenhang wird in den zeitgenössischen Unterlagen oft hergestellt, und dieser Zuschreibung geht das Landesarchiv Baden-Württemberg in der Wanderausstellung "Heimerziehung in Baden-Württemberg 1949-1975" nach.

Der nächste Etappenort dieser Ausstellung ist das MARCHIVUM in Mannheim, wo sie noch bis zum 8. Februar 2019 gezeigt wird.

Die Ausstellung thematisiert anhand von Fotos und Dokumenten wie Speiseplänen, Aktenauszügen und Briefen, wie der Alltag in vielen Kinderheimen aussah.

Zeitzeugenberichte bereichern die Darstellung um die Perspektive der Betroffenen und geben Einblicke in die Gefühlswelten der ehemaligen Heimkinder: Die psychische und körperliche Gewalt, die vielfach an der Tagesordnung stand, wird ebenso reflektiert wie die oft nur kurzen Momente des Glücks.

Zudem werden die rechtlichen Aspekte des Themas diskutiert. Wie verlief die Verfolgung von Straftaten, die in Heimen begangen wurde? Welche Möglichkeiten boten sich den Zöglingen zur Beschwerde oder Anzeige? Wie kann den Betroffenen, die bis heute unter den Folgen der Gewalterfahrungen leiden, geholfen und ihnen Gerechtigkeit verschafft werden?

Neben der historischen Darstellung der Heimerziehung wird auch der Aufarbeitungsprozess der Geschichte der Heimerziehung dargestellt. Weiterhin erfolgt ein Ausblick in die heutige Heimlandschaft und Jugendhilfe, um zu zeigen, welche Konsequenzen aus den damaligen Geschehnissen gezogen wurden.

Die Ausstellung wurde zusammen mit dem Beirat der Anlauf- und Beratungsstelle Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt und vom Landesarchiv Baden-Württemberg umgesetzt.

Förderer waren das Sozialministerium Baden–Württemberg und der Kommunalverband für Jugend und Soziales. Die Caritas und die Diakonie Baden–Württemberg haben das Projekt finanziell unterstützt.

Die Ausstellung findet im Erdgeschoss des MARCHIVUM statt und kann dort zu den üblichen Öffnungszeiten besichtigt werden: Di, Mi, Fr 8-16 Uhr sowie Do 8-18 Uhr. Der Eintritt ist frei, das Gebäude ist barrierefrei.