15. Mai 2020

„Amalie“ hat seine Hilfs- und Beratungsangebote für Prostituierte der Corona-Situation angepasst

Tisch mit Lebensmitteln
Nudeln, abgepackter Aufschnitt und Backwaren, aber auch Hygieneartikel packen die Ehrenamtlichen in die Tüten, die die Mitarbeiterinnen von Amalie kontaktlos zu den Frauen bringen. Foto: Amalie/Kühnl

Mannheim

Prostitution darf seit Beginn der Pandemie und des Kontaktverborts bundesweit nicht mehr ausgeübt werden. Julia Wege, Leiterin der Beratungsstelle Amalie des Diakonischen Werks Mannheim, begrüßt dieses Verbot grundsätzlich, weiß jedoch auch, dass viele Prostituierte sich zunehmend in einer verzweifelten Lage und existenzieller Not befinden. Die veränderte Situation bringt neue Problemlagen mit sich.

„Die Frauen haben kein Einkommen und weil die Bordelle geschlossen sind, oft auch keinen festen Wohnsitz. Viele besitzen keine Krankenversicherung und nur die wenigsten Zugang zu Informationen, welche Unterstützungsmöglichkeiten aufgrund von Corona für sie greifen“, beschreibt sie die Situation.

Eine Situation, über die sich das Team von Amalie unbedingt einen Überblick verschaffen wollte, um seine Hilfen anzupassen. „Denn zunächst einmal hörten wir nichts. Die Frauen warteten offensichtlich erst einmal ab und setzten auf den 19. April“, berichtet sie. Deshalb entschloss man sich, selbst auf die Frauen zuzugehen.

Im Rahmen einer Streetwork-Aktion wurden Immobilien aufgesucht, in denen betroffene Frauen vermutet wurden. „In der Hoffnung, irgendwie den Kontakt herstellen und Hilfe an sie herantragen zu können“, so Wege. Die Sozialarbeiterinnen kamen nicht mit leeren Händen, sondern stellten Tüten mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln vor die Tür und hinterließen die Kontaktdaten von Amalie.

Unter den Prostituierten sprach sich das wie ein Lauffeuer herum. „Seither melden sich täglich mehr Frauen“, sagt Wege und berichtet, dass sieben mit Hilfe von Amalie Anträge auf Hilfe für Solo-Selbständige stellen konnten. 18 Frauen erhielten sofortige Unterstützung aus dem Nothilfefonds der Diakonie Baden.

„Die Verzweiflung insgesamt ist groß. Corona trifft diejenigen, die sich am Rande der Gesellschaft befinden, besonders hart“, stellt sie fest.

Die über Spenden finanzierte Streetwork-Aktion wird deswegen weiter ausgebaut. „Ehrenamtliche packen Tüten und stellen diese kontaktlos bei uns ab. Wir wiederum suchen dann mit einer Dolmetscherin die Häuser auf, um die Frauen mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen und auf die Möglichkeit der Beratung hinzuweisen“, sagt Wege.

Auch die Aussteigerinnen hat Amalie im Blick.  „Wir haben zu allen Kontakt aufgenommen. Sie machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz, aber bislang ist keine gekündigt worden“, sagt Wege. Das nämlich würde die Gefahr mit sich bringen, dass diese Frauen ins Rotlicht-Milieu abrutschen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.