23. Oktober 2020

Evangelische Kirche Mannheim trauert um Alt-Dekan Ulrich Fischer

Porträt von Ulrich Fischer
Porträt von Alt-Dekan Ulrich Fischer Foto: ekiba(dv)

Mannheim

Der Stadtkirchenbezirk Mannheim trauert um Ulrich Fischer: Der Mannheimer Alt-Dekan und ehemalige badische Landesbischof ist vor zwei Tagen im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Tumorerkrankung gestorben. Für Dekan Ralph Hartmann hatte Fischer seinerzeit mit dem energischen Einsatz für eine Vesperkirche in Mannheim ein deutliches theologisches, gesellschaftliches und menschliches Zeichen gesetzt. Nachdem er zum Landesbischof gewählt wurde, blieb Fischer der Quadratestadt vielfach verbunden.

„Er bleibt mir mit seiner Lebensfreude und seiner Menschennähe, seinem tiefen Gottvertrauen und seinem Humor in Erinnerung“, sagt Hartmann. Der damalige Landesbischof hatte ihn 2012 als Nachfolger von Günter Eitenmüller in sein Amt als Dekan von Mannheim eingeführt. Dieses war Ulrich Fischer aus seiner eigenen Tätigkeit bestens bekannt. Denn von 1996 bis 1998, als er ins Bischofsamt nach Karlsruhe wechselte, war Fischer Dekan der Evangelischen Kirche in Mannheim.

Ulrich Fischer sorgte mit dafür, dass die CityKirche Konkordien 1998 zum ersten Mal ihre Türen für Bedürftige öffnete. Fischer, dessen Lebensthemen der Frieden, die Bewahrung der Schöpfung und die Gerechtigkeit waren, sagte über die Vesperkirche: „Hier wird nicht nur von der Herrlichkeit Gottes gepredigt, hier wird jeden Tag ein Stück der himmlischen Herrlichkeit sichtbar“. Im Eröffnungsgottesdienst zur zehnten Vesperkirche 2007 mahnte er die brüchige soziale Gerechtigkeit an: „Wer die Abfindungen oder Gehälter für Vorstandsmitglieder von Großkonzernen mit der Mindestwitwenrente oder dem Arbeitslosengeld II vergleicht, muss fragen, welche Unterschiede unsere Gesellschaft akzeptieren will“. Immer wieder führten seine Wege nach Mannheim.

Ulrich Fischer wurde am 11. Februar 1949 in Lüneburg geboren. Nach dem Wehrdienst studierte er Theologie in Göttingen und Heidelberg. Nach der Promotion war Fischer Pfarrer in Heidelberg-Kirchheim.Von 1989 bis 1995 war Fischer Landesjugendpfarrer, vor der Wahl zum Landesbischof 1998 stand er als Dekan an der Spitze des Kirchenbezirks Mannheim. 2009 wurde Fischer in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Von 2003 bis 2013 hatte er den Vorsitz der Union Evangelischer Kirchen (UEK) in der EKD inne. 2011 arbeitete Fischer als Vertreter der evangelischen Kirche in der Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“ der Bundesregierung mit.

In seinem Ruhestand ab 2014 übernahm Fischer den ehrenamtlichen Vorsitz des Vertrauensrats der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste und wurde für die Posaunenarbeit Landesobmann in Baden und Vorsitzender des Evangelischen Posaunendiensts in Deutschland. Im Ruhestand lebte Fischer mit seiner Ehefrau auf dem Reiterhof einer sei drei Töchter in Neulußheim. Einen tiefen Einschnitt in sein Leben bedeutete die Diagnose eines Gehirntumors im Vorjahr.

Nach der Diagnose einer schweren Krankheit habe sich Fischer „in einer sehr intensiven Beziehung mit Gott“ gefühlt, sagte er noch am 06. Juni 2020 in der Sendung „Lichtblicke“. Seine Überzeugung formulierte er einmal so: „Wer die christliche Hoffnung in sich trägt, kann leichter mit dem Leben und mit dem Tod umgehen“.